Kennwerte im Überblick
| Wärmeleitfähigkeit (Lambda) | 0,038 bis 0,040 W/(m·K) |
|---|---|
| Wärmeleitstufe (WLS) | 039 bis 040 |
| Brandverhalten | B2 nach DIN 4102 (normal entflammbar); je nach Produkt bis B-s2,d0 nach DIN EN 13501-1 |
| Rohdichte (eingebaut) | ca. 30 bis 65 kg/m³, je nach Bauteil |
| Dampfdiffusionswiderstand (Mu) | 1 bis 2 (sehr diffusionsoffen) |
| Wärmespeicherkapazität | ca. 2.100 J/(kg·K), hoch, gut für den sommerlichen Hitzeschutz |
| Lieferform | lose Flocken zum maschinellen Einblasen |
| Rohstoff | recyceltes Altpapier, mit Brandschutzsalzen ausgerüstet |
| Zulassung | ETA bzw. allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, DIN EN 15101-1 |
| Kostenniveau | unterer bis mittlerer Bereich der Einblasdämmstoffe (projektabhängig) |
Was Zellulose-Dämmung ist
Zellulose-Einblasdämmstoff besteht aus zerfasertem Altpapier, das mit Brandschutz- und Schimmelschutzsalzen ausgerüstet wird. Das Material wird nicht als Platte verlegt, sondern maschinell als lose Flocke in Hohlräume eingeblasen oder offen aufgeblasen.
Weil sich die Fasern dabei dicht an alle Begrenzungen und um Einbauten legen, entsteht eine fugenlose Dämmschicht. Genau das macht Zellulose für die Sanierung im Bestand interessant, wo geschlossene Hohlräume gefüllt werden sollen, ohne Bauteile zu öffnen.
Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten
Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,038 bis 0,040 W/(m·K) im üblichen Bereich der gängigen Einblasdämmstoffe. Für die Dämmwirkung ist neben dem Material vor allem die erreichte Schichtdicke und eine gleichmäßige, setzungssichere Einblasdichte entscheidend.
Zellulose ist stark diffusionsoffen (Mu-Wert 1 bis 2) und kann Feuchte zwischenspeichern und wieder abgeben. In bauphysikalisch geeigneten, geschützten Aufbauten ist das ein Vorteil. In dauerhaft feuchten, erdberührten oder bewitterten Bereichen ist das Material dagegen nicht geeignet.
Der Grundstoff Papier ist brennbar. Durch die Salzausrüstung wird Zellulose nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft, einzelne Produkte erreichen nach DIN EN 13501-1 bessere Klassen. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.
Typische Einsatzbereiche
Zellulose wird vor allem in geschützten, nicht bewitterten Bauteilen eingesetzt: in Holzbalkendecken, in Dachschrägen zwischen den Sparren und auf der obersten Geschossdecke. In all diesen Fällen liegt ein abgeschlossener oder begrenzbarer Hohlraum ohne direkte Schlagregenbelastung vor.
Für die Kerndämmung der bewitterten zweischaligen Außenwand ist Zellulose dagegen nicht geeignet und dort auch nicht bauaufsichtlich zugelassen, weil sie Feuchte aufnimmt. In der Hohlschicht kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage. Ob Zellulose oder ein anderer Einblasdämmstoff sinnvoller ist, hängt vom Bauteil, von der Feuchtesituation und vom Brandschutz ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.
Ökologie und Entsorgung
Da Zellulose aus recyceltem Papier hergestellt wird, ist der Primärenergiebedarf in der Herstellung gering. In der ökologischen Gesamtbewertung schneidet das Material unter den gängigen Dämmstoffen gut ab.
Eingebaute, salzbehandelte Zellulose wird je nach Zustand und örtlicher Regelung entsorgt. Die konkreten Wege richten sich nach den Vorgaben des Entsorgers.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- fugenlose, hohlraumfüllende Dämmung ohne Plattenstöße
- stark diffusionsoffen, kann Feuchte puffern
- hohe Wärmespeicherkapazität, gut gegen sommerliche Hitze
- ökologisch günstig, aus recyceltem Papier
- solides Preis-Leistungs-Verhältnis
Grenzen
- nur maschineller Einbau durch Fachbetrieb sinnvoll
- setzungsempfindlich bei zu geringer Einblasdichte
- nicht für dauerhaft feuchte, erdberührte oder bewitterte Bereiche (keine Kerndämmung)
- Grundstoff brennbar, Brandverhalten produktabhängig
Häufige Fragen
Setzt sich Zellulose mit der Zeit?
Bei fachgerechtem Einbau mit korrekt eingestellter Einblasdichte wird eine spätere Setzung vermieden. Genau deshalb wird das Material maschinell und kontrolliert eingebracht, nicht von Hand geschüttet.
Ist Zellulose brennbar?
Der Grundstoff Papier ist brennbar. Durch Brandschutzsalze wird Zellulose nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.
Eignet sich Zellulose für die Kerndämmung der Außenwand?
Nein. In der bewitterten Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks ist Zellulose nicht zugelassen, weil sie Feuchte aufnimmt. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 zum Einsatz. Zellulose bleibt geschützten Innenbauteilen wie Decken und Dachschrägen vorbehalten.
Verträgt Zellulose Feuchte?
Zellulose ist diffusionsoffen und kann Feuchte zwischenspeichern und wieder abgeben. Für dauerhaft nasse, erdberührte oder bewitterte Bauteile ist sie aber nicht geeignet.
Quellen
- ISOCELL Zellulosefaser, Technisches Datenblatt (ETA-06/0076), dataholz.eu
- STEICOfloc, allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), Z-23.11-2070
- BauNetz Wissen, Zellulosefaserdämmstoffe
- energie-experten.org, Einblasdämmstoffe im Überblick
Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.