Grundprinzip

Ein Drempel, auch Kniestock genannt, ist die niedrige Wand am Rand eines ausgebauten Dachgeschosses, dort wo die Dachschräge auf den Boden trifft. Hinter dem Drempel liegt häufig die Abseite, ein niedriger, unbeheizter Raum unter der Dachfläche. Diese Grenze zwischen warmem Wohnraum und kalter Abseite ist eine typische Schwachstelle im Wärmeschutz.

Bei der raumseitigen Ausführung wird genau diese Grenze von innen gedämmt: die innenliegende Drempelwand zur Abseite hin und der Boden, der vom beheizten Raum auf die Abseite übergeht. Im Unterschied zur außenseitigen Lösung, bei der von der Abseite her gedämmt wird, beschreibt dieser Beitrag den raumseitigen Fall.

Raumseitig oder von der Abseite

Der Drempel lässt sich auf zwei Wegen dämmen. Von der Abseite aus wird die Rückseite der Drempelwand und die darüberliegende Dachschräge gedämmt, das ist der bevorzugte Weg, wenn die Abseite zugänglich ist. Von der Raumseite aus wird stattdessen auf der Wohnzimmerseite der Drempelwand und auf dem Boden gedämmt.

Die raumseitige Ausführung kommt infrage, wenn die Abseite nicht oder nur sehr schwer erreichbar ist oder bereits genutzt wird. Sie verkleinert allerdings den Wohnraum geringfügig und ist bauphysikalisch anspruchsvoller, weil eine Dämmschicht von innen vor das bestehende Bauteil gesetzt wird.

Taupunkt und Feuchte, das Kernthema

Innendämmung ist bauphysikalisch heikel. Wird von der warmen Seite gedämmt, verschiebt sich der Taupunkt nach innen, in oder hinter die Dämmebene. Warme, feuchte Raumluft darf dort nicht ungehindert hingelangen und auskondensieren, sonst drohen Durchfeuchtung und Schimmel. Das gilt für die Drempelwand ebenso wie für den Anschluss an Boden und Dachschräge.

Sicher gelöst wird das nur auf zwei Wegen: entweder mit einem kapillaraktiven, diffusionsoffenen System, das anfallende Feuchte aufnimmt, verteilt und wieder abgibt, oder mit einem geprüften Systemaufbau mit luftdichter, raumseitiger Dampfbremse. Beides gehört fachplanerisch begleitet. Eine Dämmplatte einfach vor die Wand zu setzen, ohne diesen Feuchtehaushalt zu klären, ist nicht zulässig.

Vor jeder Innendämmung ist außerdem die Ursache vorhandener Feuchte zu klären. Eine bereits feuchte Wand, eine undichte Dachfläche oder aufsteigende Feuchte werden durch eine Innendämmung nicht behoben, sondern eher verdeckt. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Geeignete Dämmstoffe

Für die raumseitige Drempelwand sind kapillaraktive, diffusionsoffene Innendämmplatten der sichere Weg, weil sie ohne dichte Dampfbremse auskommen und Feuchte regulieren. Verbreitet sind dafür mineralische Innendämmplatten und Calciumsilikatplatten sowie diffusionsoffene Holzweichfaserplatten in einem dafür geprüften System.

Der angrenzende Boden zur Abseite besteht oft aus einer Balkenlage. Das Gefach zwischen den Balken lässt sich mit einem Einblasdämmstoff hohlraumfrei verfüllen. In diesem geschützten, nicht bewitterten Innenbauteil sind auch nachwachsende Einblasdämmstoffe wie Zellulose oder Holzfaser zulässig, sofern der Feuchtehaushalt des Gesamtaufbaus geklärt ist.

Welcher Stoff passt, hängt vom Wandaufbau, von der gewünschten Dämmstärke und vom Feuchteverhalten ab. Maßgeblich ist immer die jeweilige Systemzulassung. Welcher Aufbau im konkreten Fall trägt, entscheidet die Prüfung vor Ort, nicht der Katalog.

Ablauf der Maßnahme

Nach der Prüfung des Bestands und der Klärung möglicher Feuchteursachen wird der Systemaufbau festgelegt. Auf der Drempelwand wird das Innendämmsystem vollflächig und hohlstellenfrei aufgebracht, bei kapillaraktiven Platten im Klebebett ohne Hinterlüftung, damit sich keine Feuchte hinter der Platte sammelt.

Der Boden zur Abseite wird im Gefach gedämmt, bei Einblasdämmung über kontrolliert verfüllte Hohlräume. Anschlüsse an Boden, Dachschräge und Drempel werden luftdicht und wärmebrückenarm ausgebildet. Zum Abschluss folgt je nach System die Putz- oder Bekleidungsebene. Die Dauer hängt von Fläche, Zugänglichkeit und Bestand ab und wird nach dem Aufmaß eingeschätzt.

Eignung, Grenzen und Förderung

Die raumseitige Ausführung passt, wenn die Abseite nicht zugänglich ist und der Wandaufbau eine geprüfte Innendämmung zulässt. Sie ist kein Standardweg, sondern eine Lösung für Fälle, in denen außenseitig nicht gedämmt werden kann. Bei vorhandener Feuchte, unklarem Wandaufbau oder fehlender fachplanerischer Begleitung ist sie nicht geeignet.

Innenliegende und erdberührte Bauteile sind nicht mit der bewitterten Aussenwand-Hohlschicht zu verwechseln, eine Kerndämmung mit ihren WZ-Anforderungen ist hier kein Thema. Anders ist es nur dort, wo ein Bauteil tatsächlich erdberührt ist, etwa im Übergang zum Keller, dort gelten für die Perimeterlage druckfeste und feuchteunempfindliche Dämmstoffe und eine intakte Abdichtung als Voraussetzung.

Wenn eine Förderung relevant ist, muss der Förderweg vor der Beauftragung geklärt werden. Bei Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wird ein Energie-Effizienz-Experte eingebunden, der bei Innendämmung ohnehin sinnvoll ist. Appiarius Dämmtechnik führt die handwerkliche Maßnahme aus und ordnet vor Ort ein, was technisch sinnvoll ist.

Querschnitt durch einen Drempel mit raumseitig gedämmter Drempelwand und gedämmtem Boden zur Abseite
Diagramm: Bei der raumseitigen Ausführung werden die innenliegende Drempelwand und der anschließende Boden zur kalten Abseite hin gedämmt, sodass der beheizte Wohnraum gegen den unbeheizten Spitzboden abgegrenzt ist.

Häufige Fragen

Warum ist Innendämmung am Drempel heikel?

Weil die Dämmung von der warmen Seite den Taupunkt nach innen verschiebt. Ohne kapillaraktives System oder geprüfte Dampfbremse kann sich Feuchte in der Konstruktion sammeln und zu Schimmel führen. Deshalb gehört eine Innendämmung fachplanerisch begleitet.

Raumseitig oder von der Abseite, was ist besser?

Wenn die Abseite zugänglich ist, wird meist von dort gedämmt. Die raumseitige Ausführung ist die Lösung, wenn die Abseite nicht erreichbar ist. Sie kostet etwas Wohnraum und ist bauphysikalisch anspruchsvoller.

Welche Dämmstoffe sind raumseitig geeignet?

Für die Drempelwand kapillaraktive, diffusionsoffene Innendämmplatten wie mineralische Dämmplatten oder Calciumsilikatplatten. Für das Bodengefach zur Abseite auch nachwachsende Einblasdämmstoffe wie Zellulose, sofern der Feuchtehaushalt geklärt ist.

Muss die Feuchteursache vorher geklärt werden?

Ja, immer. Eine Innendämmung behebt keine undichte Dachfläche und keine aufsteigende Feuchte, sondern verdeckt sie. Vorhandene Feuchte muss vor der Maßnahme geklärt und behoben werden.

Gilt am Drempel die WZ-Anforderung wie bei der Kerndämmung?

Nein. Der Drempel und der Boden zur Abseite sind geschützte Innenbauteile, nicht die bewitterte Hohlschicht einer zweischaligen Aussenwand. Die WZ-Anforderung der Kerndämmung greift hier nicht. Nur bei echten erdberührten Bauteilen gelten gesonderte Perimeter-Anforderungen.

Quellen

Allgemeine Verfahrenskunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung am Gebäude. Ob eine raumseitige Innendämmung am Drempel möglich ist und welcher geprüfte Systemaufbau passt, entscheidet die fachplanerische Prüfung des Bestands vor Ort.