Grundprinzip
Wenn eine Außenwand von außen nicht gedämmt werden kann, etwa bei erhaltenswerten Fassaden, Reihenhaus-Grenzwänden oder denkmalgeschützten Gebäuden, bleibt die Innendämmung als Weg. Die Dämmung wird dann auf die Raumseite der Außenwand aufgebracht.
Bei der hier beschriebenen Variante wird vor die Innenseite der Bestandswand ein Ständerwerk gestellt. Der entstehende Hohlraum, das Gefach, wird mit einem Einblasdämmstoff verfüllt und raumseitig mit einer luftdichten, dampfbremsenden Ebene und einer Beplankung verschlossen. So entsteht eine durchgehend gedämmte Vorsatzschale, ohne dass die Fassade angetastet wird.
Ständerwerk, Gefach und raumseitige Ebene
Das Ständerwerk aus Holz oder Metallprofilen wird im Abstand vor die Bestandswand gesetzt. Der Anschluss zur Bestandswand und der Umgang mit dem Zwischenraum werden bewusst geplant, weil hier entscheidend ist, dass keine feuchte Raumluft unkontrolliert hinter die Dämmung gelangt.
In das geschlossene Gefach wird der Dämmstoff mit kontrollierter Dichte eingeblasen, sodass er den Hohlraum setzungsfrei und ohne Hohlstellen ausfüllt. Raumseitig folgt die luftdichte und dampfbremsende Ebene, darauf die Beplankung, zum Beispiel eine Gipsplatte. Diese raumseitige Ebene ist kein Zubehör, sondern der bauphysikalisch wichtigste Teil des Aufbaus.
Warum der Feuchteschutz über alles entscheidet
Innendämmung ist bauphysikalisch heikel. Mit der Dämmung wandert der Taupunkt in Richtung der nun kälter werdenden Bestandswand. Gelangt warme, feuchte Raumluft an diese kalte Schicht, kann dort Tauwasser ausfallen. Eine Innendämmung darf deshalb nicht einfach montiert werden, sie muss feuchtetechnisch durchdacht sein.
In der Praxis gibt es zwei abgesicherte Wege: ein geprüftes System mit raumseitiger Dampfbremse, die die Feuchte der Raumluft zurückhält, oder ein kapillaraktives, diffusionsoffenes System, das anfallende Feuchte verteilt und wieder abgibt. Beides braucht eine fachplanerische Begleitung mit rechnerischem Nachweis des Feuchteverhaltens, etwa nach DIN 4108-3 oder einem instationären Verfahren. Welcher Weg passt, hängt von der Wand, der Nutzung und den Anschlüssen ab und gehört vor das Angebot, nicht danach.
Voraussetzungen und Vorklärung
Vor jeder Innendämmung muss die Ursache vorhandener Feuchte geklärt sein. Eine durch Schlagregen, aufsteigende Feuchte oder defekte Abdichtung belastete Wand wird durch eine Innendämmung nicht trockener, sondern das Problem kann sich verschärfen. Solche Ursachen werden zuerst behoben.
Die Bestandswand sollte tragfähig, ausreichend trocken und frei von Salzbelastungen sein, die für eine erneute Durchfeuchtung sprechen. Erdberührte oder innenliegende Bauteile sind dabei etwas anderes als die bewitterte Hohlschicht einer zweischaligen Außenwand: Bei einer Kellerwand mit Erdkontakt müssen Abdichtung und Feuchtelage zuerst stimmen, bevor überhaupt von innen gedämmt wird.
Ablauf der Maßnahme
Nach der Prüfung der Wand und der Festlegung des Systems wird das Ständerwerk gestellt und der Anschluss zur Bestandswand ausgeführt. Anschließend wird das geschlossene Gefach über Einblasöffnungen gleichmäßig und setzungsfrei verfüllt.
Danach wird die raumseitige luftdichte und dampfbremsende Ebene sorgfältig verlegt und an Decke, Boden, Fenstern und Steckdosen luftdicht angeschlossen, weil jede Undichtigkeit Feuchte in die Konstruktion lässt. Zum Schluss folgt die Beplankung. Die Dauer hängt von Fläche, Anschlüssen und Bestand ab und wird nach dem Aufmaß eingeschätzt.
Geeignete Dämmstoffe, Grenzen und Förderung
Für das geschützte, nicht bewitterte Gefach kommen Einblasdämmstoffe wie Zellulose, Holzfaser oder Glaswolle-Granulat infrage. Bei diffusionsoffenen, kapillaraktiven Systemen werden teils zusätzlich Platten wie Holzweichfaser- oder Calciumsilikatplatten eingesetzt, die anfallende Feuchte aufnehmen und wieder abgeben. Maßgeblich ist immer die geprüfte Eignung im Gesamtsystem, nicht der einzelne Stoff.
Nicht geeignet ist eine Innendämmung ohne fachliche Begleitung, bei ungeklärter Feuchteursache oder bei laufender Durchfeuchtung der Wand. Innendämmung reduziert außerdem die nutzbare Raumtiefe und macht Anschlüsse an einbindende Innenwände und Decken zu Schwachstellen, die mitgeplant werden müssen. Ist eine Förderung relevant, muss der Förderweg vor der Beauftragung geklärt werden, bei BEG-Förderung wird ein Energie-Effizienz-Experte eingebunden. Appiarius Dämmtechnik führt die handwerkliche Maßnahme aus und ordnet vor Ort ein, was technisch sinnvoll und feuchtetechnisch sicher ist.
Häufige Fragen
Warum ist Innendämmung bauphysikalisch heikel?
Weil die Bestandswand hinter der Dämmung kälter wird und sich der Taupunkt nach innen verlagert. Gelangt feuchte Raumluft an diese kalte Schicht, kann Tauwasser ausfallen. Deshalb braucht es entweder eine raumseitige Dampfbremse oder ein kapillaraktives, diffusionsoffenes System, in jedem Fall mit fachplanerischer Begleitung.
Brauche ich zwingend eine Dampfbremse?
Bei einem geprüften System mit dampfbremsender Ebene ja, sie hält die Feuchte der Raumluft zurück. Alternativ gibt es kapillaraktive, diffusionsoffene Systeme ohne klassische Dampfbremse. Welcher Weg sicher ist, entscheidet der feuchtetechnische Nachweis am konkreten Wandaufbau, nicht eine pauschale Regel.
Was passiert, wenn die Wand schon feucht ist?
Dann wird zuerst die Ursache geklärt und behoben. Eine Innendämmung trocknet eine durch Schlagregen, aufsteigende Feuchte oder defekte Abdichtung belastete Wand nicht, sie kann das Problem sogar verschärfen. Ohne geklärte Feuchteursache wird nicht gedämmt.
Geht das auch an einer erdberührten Kellerwand?
Nur, wenn Abdichtung und Feuchtelage stimmen. Eine erdberührte oder innenliegende Wand ist nicht die bewitterte Hohlschicht einer Außenwand. Bei Erdkontakt müssen Abdichtung und Trockenheit zuerst gesichert sein, sonst ist eine Innendämmung nicht das richtige Verfahren.
Welche Dämmstoffe kommen ins Gefach?
Einblasdämmstoffe wie Zellulose, Holzfaser oder Glaswolle-Granulat füllen das geschützte Gefach setzungsfrei aus. Bei diffusionsoffenen Systemen werden zusätzlich kapillaraktive Platten wie Holzweichfaser oder Calciumsilikat eingesetzt. Maßgeblich ist die geprüfte Eignung im Gesamtsystem.
Quellen
- DIN 4108-3, Klimabedingter Feuchteschutz, Anforderungen und Nachweisverfahren (Tauwasserschutz, Innendämmung)
- WTA-Merkblätter zur Innendämmung (Planung, Feuchteschutz, kapillaraktive Systeme)
- Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 7, Anforderungen an geänderte Bauteile
- BAFA, Bundesförderung für effiziente Gebäude: Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle
Allgemeine Verfahrenskunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung am Gebäude. Ob eine Innendämmung feuchtetechnisch sicher ist und welches geprüfte System mit welchem zugelassenen Dämmstoff passt, entscheidet die fachplanerische Prüfung des Bestands vor Ort.