Kennwerte im Überblick

Wärmeleitfähigkeit (Lambda) ca. 0,059 bis 0,065 W/(m·K), je nach Produkt (Bemessungswert oft ca. 0,062)
Wärmeleitstufe (WLS) ca. 060 bis 065, höher als bei reinen Dämmstoffen
Brandverhalten A1 nach DIN 4102 (nicht brennbar); A1 nach DIN EN 13501-1
Rohdichte ca. 180 bis 240 kg/m³, je nach Produkt
Dampfdiffusionswiderstand (Mu) ca. 3 bis 6 (sehr diffusionsoffen)
Druckfestigkeit ca. > 1 N/mm² (> 1 MPa), formstabil und maßhaltig
Wasseraufnahme hoch kapillaraktiv, ca. 20 kg/m² bei 25 mm Platte ohne Formverlust
pH-Wert leicht alkalisch (ca. 10), dadurch schimmelhemmend
Rohstoff Kalk und Quarzsand mit geringem Zelluloseanteil, im Autoklav ausgehärtet
Lieferform feste Platten, z.B. 1000 x 1250 mm, gängige Dicken 25 / 30 / 50 mm
Zulassung Europäische Technische Bewertung (ETA), z.B. ETA-15/0340
Kostenniveau mittlerer bis oberer Bereich der Innendämmplatten (projektabhängig)

Was Calciumsilikatplatten sind

Calciumsilikatplatten sind feste, mineralische Dämmplatten aus Kalk und Quarzsand mit einem geringen Zelluloseanteil. Das Gemisch wird in Formen gegossen und unter Dampfdruck im Autoklav ausgehärtet. Dabei entsteht eine feinporige, offene Struktur mit hoher kapillarer Saugfähigkeit.

Anders als ein klassischer Dämmstoff verfolgt die Calciumsilikatplatte nicht in erster Linie einen niedrigen Lambda-Wert, sondern das Feuchtemanagement der Wand. Sie wird raumseitig auf die Innenseite der Außenwand verklebt und gehört zur Gruppe der kapillaraktiven Innendämmsysteme.

Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten

Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,059 bis 0,065 W/(m·K) deutlich über der vieler reiner Dämmstoffe. Für einen vergleichbaren Wärmeschutz braucht es daher eine größere Schichtdicke. Der Sinn der Platte liegt weniger im reinen Dämmwert als in ihrem Verhalten gegenüber Feuchte.

Die Platte ist stark diffusionsoffen (Mu-Wert ca. 3 bis 6) und kapillaraktiv. Sie nimmt anfallendes Kondensat oder Tauwasser auf, verteilt es in der Fläche, speichert es zeitweise und gibt es wieder an die Raumluft ab. Deshalb funktioniert das System ohne innen liegende Dampfbremse. Ihr leicht alkalischer Charakter (pH-Wert um 10) wirkt dem Schimmelwachstum entgegen.

Da das Material rein mineralisch ist, ist es nach DIN 4102 und nach DIN EN 13501-1 als nicht brennbar (A1) eingestuft. Es enthält keine brennbaren Bestandteile und trägt nicht zur Brandlast bei. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.

Typische Einsatzbereiche

Calciumsilikatplatten werden vor allem dort eingesetzt, wo eine Außendämmung nicht möglich oder nicht gewollt ist und die Wand raumseitig gedämmt werden soll, etwa hinter erhaltenswerten Fassaden oder im Fachwerk. Wegen ihrer Feuchteregulierung und ihrer schimmelhemmenden Wirkung sind sie ein häufig gewähltes Mittel bei der Schimmelsanierung und an feucht- und kondensatgefährdeten Innenwänden.

Für die Kerndämmung der zweischaligen Außenwand sind Calciumsilikatplatten nicht vorgesehen. In die geschlossene Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks werden lose Stoffe eingeblasen, keine festen Platten. Ob eine Innendämmung überhaupt das richtige Mittel ist und welches kapillaraktive System taugt, hängt vom Wandaufbau, von der Feuchtesituation und vom vorhandenen Schimmelbefund ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Ökologie und Entsorgung

Calciumsilikatplatten bestehen aus weit verfügbaren mineralischen Rohstoffen und enthalten keine Fasern, die als gesundheitlich kritisch gelten. Sie sind alterungsbeständig und verrotten nicht.

Bei Rückbau fällt das Material als mineralischer Bauabfall an. Die konkreten Entsorgungswege richten sich nach dem Zustand und den Vorgaben des örtlichen Entsorgers.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • kapillaraktiv, nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab
  • Innendämmung ohne innen liegende Dampfbremse möglich
  • leicht alkalisch und dadurch schimmelhemmend
  • nicht brennbar (Baustoffklasse A1)
  • formstabil, mineralisch und alterungsbeständig

Grenzen

  • vergleichsweise hohe Wärmeleitfähigkeit, größere Schichtdicke nötig
  • fachgerechte Verklebung und geeigneter Wandaufbau Voraussetzung
  • verringert die nutzbare Raumfläche (Innendämmung)
  • nicht für die Kerndämmung der zweischaligen Außenwand (feste Platte, kein Einblasstoff)

Häufige Fragen

Wozu dient eine Calciumsilikatplatte vor allem?

Sie regelt die Feuchte an der Innenseite der Außenwand. Sie nimmt Kondensat kapillar auf und gibt es wieder ab und wirkt durch ihren alkalischen Charakter dem Schimmel entgegen. Das Feuchtemanagement steht hier vor dem reinen Dämmwert.

Ist eine Calciumsilikatplatte brennbar?

Nein. Das Material ist rein mineralisch und nach DIN 4102 sowie nach DIN EN 13501-1 als nicht brennbar (A1) eingestuft. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.

Eignet sich eine Calciumsilikatplatte für die Kerndämmung der Außenwand?

Nein. In die geschlossene Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks werden lose, dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe eingeblasen, keine festen Platten. Die Calciumsilikatplatte ist eine raumseitige Innendämmung.

Warum dämmt eine Calciumsilikatplatte schlechter als andere Dämmstoffe?

Ihre Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,059 bis 0,065 W/(m·K) höher als bei reinen Dämmstoffen. Ihr Vorteil liegt nicht im niedrigen Lambda-Wert, sondern in der Feuchteregulierung. Für den gewünschten Wärmeschutz wird daher eine größere Schichtdicke gewählt.

Quellen

Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Ob eine Innendämmung im konkreten Fall geeignet ist und welcher Dämmstoff passt, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.