Grundprinzip
Eine nachträgliche Kerndämmung füllt die Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks. Ist diese Hohlschicht aber schmal, reicht die so erreichbare Dämmdicke für den geforderten Wärmeschutz oft nicht aus. In diesem Fall lassen sich zwei Verfahren kombinieren.
Zuerst wird die Hohlschicht mit einem geeigneten Kerndämmstoff verfüllt, anschließend wird außen auf die Vormauerschale ein Wärmedämm-Verbundsystem aufgebracht. Beide Dämmebenen zusammen ergeben den Wärmeschutz, der mit der Hohlschicht allein nicht möglich wäre.
Wann die Kombination sinnvoll ist
Die Kombination lohnt sich, wenn die Hohlschicht zu schmal für die nötige Dämmstärke ist, die Klinker- oder Vormauerschale aber ohnehin überarbeitet oder verputzt werden soll. Dann nutzt man die günstige Kerndämmung als Grundschicht und ergänzt sie um die frei wählbare Dämmdicke des WDVS.
Soll die Sichtfassade dagegen erhalten bleiben, scheidet das außenliegende WDVS aus, dann bleibt es bei der reinen Kerndämmung. Ob eine Kombination, eine reine Kerndämmung oder ein reines WDVS sinnvoll ist, hängt von Hohlraumbreite, Fassade, Feuchte und Zielwert ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.
Geeignete Dämmstoffe
Für die Hohlschicht gelten dieselben Anforderungen wie bei der reinen Kerndämmung: nur dauerhaft wasserabweisende, setzungsfreie Dämmstoffe nach DIN 4108-10 (Anwendungstyp WZ) oder mit eigener bauaufsichtlicher Zulassung, etwa Stein- oder Glaswolle-Granulat oder EPS-Dämmperlen.
Für das außenliegende WDVS werden geprüfte Systemplatten verwendet, am häufigsten EPS, bei erhöhtem Brandschutz Mineralwolle. Da die beiden Dämmebenen unterschiedliche Aufgaben haben, werden sie getrennt geplant. Maßgeblich bleibt die jeweilige Produkt- und Systemzulassung.
Ablauf der Maßnahme
Zuerst wird die Hohlschicht geprüft und über Bohröffnungen verfüllt, wie bei der reinen Kerndämmung. Anschließend wird die Fassade eingerüstet und das Wärmedämm-Verbundsystem aufgebracht, also Dämmplatten kleben und dübeln, armieren und verputzen.
Weil zwei Gewerke zusammenkommen, ist eine saubere Abstimmung der Anschlüsse wichtig, besonders an Fenstern, Sockel und Dach. Die Dauer hängt von Fläche, Fassade und Witterung ab und wird nach dem Aufmaß eingeschätzt.
Eignung, Grenzen und Förderung
Die Kombination ist die richtige Wahl, wenn die Hohlschicht allein den Zielwert nicht erreicht und die Fassade neu gestaltet werden darf. Sie ist aufwendiger und teurer als eine reine Kerndämmung, dafür wird der erreichbare Wärmeschutz deutlich besser.
Bei einer Sanierung der Außenwand gilt nach GEG in der Regel ein Bauteil-Zielwert von höchstens 0,24 W/(m²·K), den die Kombination sicher erreicht. Die Maßnahme ist über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) förderfähig, dann wird ein Energie-Effizienz-Experte eingebunden. Appiarius Dämmtechnik führt beide Schritte aus und ordnet vor Ort ein, was sinnvoll ist.
Häufige Fragen
Warum Kerndämmung und WDVS zusammen?
Wenn die Hohlschicht zu schmal ist, reicht die Kerndämmung allein für den geforderten U-Wert nicht aus. Das zusätzliche WDVS bringt die fehlende Dämmdicke, die Kerndämmung dient als günstige Grundschicht.
Wann lohnt sich die Kombination nicht?
Wenn die Sichtfassade aus Klinker erhalten bleiben soll, scheidet das außenliegende WDVS aus. Dann bleibt es bei der reinen Kerndämmung, gegebenenfalls ergänzt durch eine Innendämmung.
Welche Dämmstoffe werden verwendet?
In der Hohlschicht nur dauerhaft wasserabweisende, zugelassene Kerndämmstoffe wie Stein- oder Glaswolle-Granulat oder EPS-Dämmperlen. Im WDVS geprüfte Systemplatten, meist EPS oder Mineralwolle.
Ist die Kombination teurer?
Ja, weil zwei Verfahren und zwei Gewerke zusammenkommen. Dafür wird ein deutlich besserer Wärmeschutz erreicht als mit der Hohlschicht allein.
Wird die Kombination gefördert?
Die Außenwanddämmung ist über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) förderfähig. Der Förderweg wird vor der Beauftragung mit einem Energie-Effizienz-Experten geklärt.
Quellen
- DIN 4108-10, Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe, Anwendungstyp WZ (Kerndämmung zweischaliges Mauerwerk)
- Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 7, Höchstwerte des Wärmedurchgangskoeffizienten bei Änderung von Außenbauteilen (Außenwand 0,24 W/(m²·K))
- Bauaufsichtliche Zulassungen (DIBt, ETA) für Einblas-Kerndämmstoffe und für Wärmedämm-Verbundsysteme
Allgemeine Verfahrenskunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung am Gebäude. Ob eine Kombination aus Kerndämmung und WDVS sinnvoll ist und welche zugelassenen Dämmstoffe passen, entscheidet die Prüfung des Bestands vor Ort.