Grundprinzip

Nicht jede Außenwand lässt sich mit einem klassischen Wärmedämmverbundsystem (WDVS) dämmen, bei dem Dämmplatten flächig auf den Untergrund geklebt und gedübelt werden. Stark unebene, unregelmäßige oder schwierige Fassaden, etwa aus Bruchstein oder mit wechselnden Materialien, bieten dafür keinen ebenen, tragfähigen Grund.

Bei der Außendämmung mit Dämmraum-Elementen wird die Dämmebene deshalb von der Wand abgesetzt. Über verstellbare Halter wird eine Putzträgerplatte in einem definierten Abstand vor die Wand gesetzt, sodass zwischen Wand und Platte ein zusammenhängender Dämmraum entsteht. Dieser Raum wird mit einem Dämmstoff gefüllt, anschließend wird die Platte als Außenwand verputzt. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Vorgesetztes Element und gefüllter Dämmraum

Zuerst werden verstellbare Halter auf der Bestandswand befestigt. Weil sie in der Tiefe einstellbar sind, gleichen sie Unebenheiten und schiefe Wände aus und legen zugleich die Dämmdicke fest. Auf die Halter wird eine Putzträgerplatte montiert, die später den Außenputz trägt.

In den so entstandenen Dämmraum zwischen Wand und Platte wird ein Dämmstoff eingebracht, bei faserigen Einblasdämmstoffen mit kontrollierter Dichte, bis der Raum setzungsfrei und ohne Hohlstellen gefüllt ist. Weil die Dämmebene frei vor der Wand liegt, lassen sich auch große Dämmstärken erreichen, ohne dass die Unebenheiten des Untergrunds stören.

Wann das Verfahren geeignet ist

Das Verfahren ist vor allem dort sinnvoll, wo ein flächiges Aufkleben von Dämmplatten an der Unebenheit oder Beschaffenheit der Fassade scheitert. Auf unregelmäßigen Bruchsteinmauern oder gemischten Untergründen ist es oft die praktikablere Lösung als ein klassisches WDVS.

Voraussetzung ist eine tragfähige Bestandswand für die Befestigung der Halter sowie geklärte Anschlüsse an Dach, Sockel, Fenster und Türen, weil die Fassade durch den Dämmraum nach außen wandert. Welche konkrete Ausführung, welcher Halter und welcher Putzaufbau passen, hängt vom jeweiligen Systemprodukt und vom Bestand ab und wird vor Ort geprüft.

Geeignete Dämmstoffe

Der Dämmraum liegt hinter der verputzten Putzträgerplatte und ist damit ein geschütztes, nicht unmittelbar bewittertes Bauteil. Genutzt werden je nach System Dämmplatten oder faserige Einblasdämmstoffe. Maßgeblich ist immer die Zulassung des eingesetzten Systemprodukts.

Anders als die bewitterte Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks, in die nur dauerhaft wasserabweisende, setzungsfreie Stoffe gehören, kann der geschützte Dämmraum hinter dem Putz je nach Systemzulassung auch faserige Stoffe aufnehmen. Welcher Dämmstoff zulässig ist, gibt die Zulassung des konkreten Systems vor. Bei brennbaren Dämmstoffen, etwa Polyurethan, ist der Brandschutz ehrlich mit der jeweiligen Zulassung und der Gebäudeklasse abzustimmen.

Ablauf der Maßnahme

Nach Aufmaß und Prüfung der Wand werden die verstellbaren Halter gesetzt und ausgerichtet, danach die Putzträgerplatten montiert. Der Dämmraum wird anschließend gefüllt, bei Einblasdämmstoffen gleichmäßig und vollständig über Einblasöffnungen.

Zum Abschluss werden die Anschlüsse an Sockel, Fenster, Türen und Dach gearbeitet und die Fläche nach den Vorgaben des Systems verputzt. Die Dauer hängt von Fläche, Zugänglichkeit, Gerüstaufwand und Gebäudesituation ab und wird nach dem Aufmaß eingeschätzt.

Grenzen und Förderung

Grenzen hat das Verfahren dort, wo der nötige Bauraum vor der Wand fehlt, etwa an Grundstücksgrenzen, oder wo die Anschlüsse an Dachüberstand, Fenster und Sockel den zusätzlichen Aufbau nicht zulassen. Auch eine nicht tragfähige oder durchfeuchtete Bestandswand spricht gegen die Ausführung, solange die Ursache nicht geklärt ist.

Wird im Zuge einer Sanierung mehr als eine festgelegte Fläche der Außenwand erneuert, gilt nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG, Anlage 7) für die gedämmte Außenwand ein einzuhaltender Höchstwert von U ≤ 0,24 W/(m²·K). Ob eine Förderung greift, ist vor der Beauftragung zu klären, bei BEG-Förderung über einen Energie-Effizienz-Experten. Appiarius Dämmtechnik führt die handwerkliche Maßnahme aus und ordnet vor Ort ein, ob das Verfahren für die jeweilige Fassade sinnvoll ist.

Querschnitt einer Außenwand mit verstellbaren Haltern, davor gesetzter Putzträgerplatte und dem dazwischen mit Dämmstoff gefüllten Dämmraum unter dem Außenputz
Diagramm: Vor die Bestandswand werden verstellbare Halter und eine Putzträgerplatte gesetzt. Der dazwischen entstehende Dämmraum wird mit Dämmstoff gefüllt und außen verputzt.

Häufige Fragen

Wann ist dieses Verfahren besser als ein klassisches WDVS?

Vor allem bei stark unebenen oder unregelmäßigen Fassaden wie Bruchsteinmauern. Dort lässt sich ein flächiges Aufkleben von Dämmplatten kaum sauber ausführen, während die verstellbaren Halter Unebenheiten ausgleichen und einen ebenen Dämmraum vor der Wand bilden.

Muss die Fassade dafür eben sein?

Nein, gerade das ist der Vorteil. Die in der Tiefe verstellbaren Halter gleichen schiefe Wände und Unebenheiten aus. Voraussetzung ist aber eine tragfähige Bestandswand für die Befestigung.

Welcher Dämmstoff kommt in den Dämmraum?

Das hängt vom eingesetzten System und seiner Zulassung ab. Weil der Dämmraum hinter dem Putz ein geschütztes Bauteil ist, kommen je nach System Dämmplatten oder faserige Einblasdämmstoffe in Frage. Maßgeblich bleibt die Zulassung des konkreten Systemprodukts.

Wie ist es um den Brandschutz bestellt?

Das richtet sich nach dem gewählten Dämmstoff und der Gebäudeklasse. Brennbare Dämmstoffe wie Polyurethan erfordern eine ehrliche Abstimmung von Systemzulassung und Brandschutzanforderungen, mineralische Stoffe wie Stein- oder Mineraldämmplatten sind hier unkritischer. Das wird vor der Ausführung geklärt.

Gibt es einen vorgeschriebenen U-Wert?

Wird im Rahmen einer Sanierung mehr als eine festgelegte Fläche der Außenwand erneuert, fordert das GEG (Anlage 7) für die gedämmte Außenwand U ≤ 0,24 W/(m²·K). Mit dem freien Dämmraum lassen sich auch große Dämmstärken erreichen, sodass dieser Wert in der Regel gut einzuhalten ist.

Quellen

  • DIN 4108-10, Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe, Einsatz hinter Putzträger und in geschützten Bauteilen
  • Gebäudeenergiegesetz (GEG), Anlage 7, Höchstwert U ≤ 0,24 W/(m²·K) für geänderte Außenwände, sowie Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
  • Bauaufsichtliche Zulassungen (DIBt, ETA) und Systemvorgaben des jeweiligen Dämmraum-/Putzträgersystems

Allgemeine Verfahrenskunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung am Gebäude. Welches System, welcher Aufbau und welcher zugelassene Dämmstoff im konkreten Fall passt, entscheidet die Prüfung des Bestands vor Ort.