Kennwerte im Überblick

Wärmeleitfähigkeit (Lambda) 0,040 bis 0,045 W/(m·K), je nach Produkt bis 0,047
Wärmeleitstufe (WLS) 040 bis 045 (einzelne Produkte 047)
Brandverhalten A1 (nicht brennbar) nach DIN EN 13501-1, entspricht A1 nach DIN 4102; Schmelzpunkt über 1.200 °C
Rohdichte ca. 90 bis 130 kg/m³, je nach Produkt
Dampfdiffusionswiderstand (Mu) 2 bis 5 (sehr diffusionsoffen)
Druckfestigkeit ca. 150 bis 350 kPa (0,15 bis 0,35 N/mm²), je nach Variante
Eigenschaft kapillaraktiv, hoher pH-Wert wirkt schimmelhemmend
Lieferform feste Platten, z.B. 600 x 390 mm, Dicken ca. 50 bis 300 mm
Rohstoff mineralisch: Kalk, Sand, Zement, im Autoklav dampfgehärtet
Zulassung Europäische Technische Bewertung (ETA), z.B. ETA-05/0093 (Multipor)
Kostenniveau mittlerer bis oberer Bereich der Innendämmstoffe (projektabhängig)

Was Mineraldämmplatten sind

Mineraldämmplatten sind feste, durchgehend mineralische Dämmplatten aus Kalk, Sand und Zement, die mit einem Porenbildner aufgeschäumt und im Autoklav dampfgehärtet werden. Sie werden auch als Mineralschaum- oder Kalziumsilikatplatten geführt und sind eng mit dem Calciumsilikat verwandt.

Weil sie rein mineralisch aufgebaut sind, sind die Platten nicht brennbar und nehmen anders als organische Dämmstoffe keine Schadinsekten oder Fäulnis an. Verarbeitet werden sie als Platte, die vollflächig und im Mörtelbett auf den Untergrund geklebt wird.

Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten

Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,040 bis 0,045 W/(m·K) über der von Mineralwolle oder Hartschäumen. Mineraldämmplatten dämmen also etwas schwächer und brauchen für denselben Dämmwert eine größere Dicke. Ihr Vorteil liegt nicht im Spitzen-Dämmwert, sondern im Feuchte- und Brandverhalten.

Die Platten sind stark diffusionsoffen (Mu-Wert etwa 2 bis 5) und kapillaraktiv: Sie nehmen anfallende Feuchte auf, verteilen sie in der Fläche und geben sie wieder ab. Dadurch kommt die typische Innendämmung mit Mineraldämmplatte ohne separate Dampfsperre aus, was eine häufige Fehlerquelle vermeidet. Der hohe pH-Wert des Materials wirkt zusätzlich schimmelhemmend.

Im Brandverhalten sind Mineraldämmplatten nach DIN EN 13501-1 als A1 eingestuft, also nicht brennbar, mit einem Schmelzpunkt über 1.200 °C. Im Brandfall entstehen weder Rauch noch brennendes Abtropfen. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.

Typische Einsatzbereiche

Mineraldämmplatten sind ein klassischer Innendämmstoff. Ihre Stärke spielen sie dort aus, wo von außen nicht gedämmt werden kann, etwa an erhaltenswerten Fassaden oder im denkmalgeschützten Bestand, und wo die Wand diffusionsoffen bleiben soll. Wegen der kapillaraktiven, schimmelhemmenden Wirkung werden sie regelmäßig bei der Schimmelsanierung eingesetzt. Daneben kommen sie als Dämmplatte in mineralischen Wärmedämmverbundsystemen und an der Kellerdecke vor.

Für die Kerndämmung der zweischaligen Außenwand sind Mineraldämmplatten nicht vorgesehen. In die bewitterte Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks werden lose, dauerhaft wasserabweisende Einblasdämmstoffe nach DIN 4108-10 eingebracht, keine festen Platten. Mineraldämmplatten gehören auf die Innenseite der Wand oder in ein Verbundsystem. Ob im konkreten Fall eine Innendämmung bauphysikalisch trägt, hängt von der Wand, vom Schlagregenschutz und von der Feuchtesituation ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Ökologie und Entsorgung

Mineraldämmplatten bestehen aus weit verfügbaren mineralischen Rohstoffen und enthalten keine Fasern und keine Treibmittel. Die Herstellung mit Dampfhärtung im Autoklav ist energieintensiver als bei manchen anderen Dämmstoffen, dafür ist das Material langlebig und sortenrein mineralisch.

Reste und Rückbaumaterial fallen als mineralischer Bauabfall an. Die konkreten Entsorgungswege richten sich nach den Vorgaben des örtlichen Entsorgers.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • nicht brennbar (Baustoffklasse A1), Schmelzpunkt über 1.200 °C
  • stark diffusionsoffen und kapillaraktiv, transportiert Feuchte
  • Innendämmung ohne separate Dampfsperre möglich
  • hoher pH-Wert wirkt schimmelhemmend, gut für Schimmelsanierung
  • rein mineralisch, sortenrein, fäulnis- und schädlingsfest

Grenzen

  • höhere Wärmeleitfähigkeit, dämmt schwächer als Mineralwolle oder Hartschaum
  • schwerer und sprödere Platten, sorgfältige Verarbeitung nötig
  • nicht für die Kerndämmung der zweischaligen Außenwand
  • Innendämmung verringert die Wohnfläche und braucht bauphysikalische Planung
  • im mittleren bis oberen Preisbereich der Innendämmstoffe

Häufige Fragen

Sind Mineraldämmplatten brennbar?

Nein. Mineraldämmplatten sind nach DIN EN 13501-1 als A1 eingestuft, also nicht brennbar, mit einem Schmelzpunkt über 1.200 °C. Im Brandfall entstehen weder Rauch noch brennendes Abtropfen.

Braucht eine Innendämmung mit Mineraldämmplatte eine Dampfsperre?

In der Regel nicht. Weil die Platten diffusionsoffen und kapillaraktiv sind, kommt das System ohne separate Dampfsperre aus. Das vermeidet eine häufige Fehlerquelle. Der konkrete Aufbau gehört aber bauphysikalisch geprüft.

Eignen sich Mineraldämmplatten für die Kerndämmung der Außenwand?

Nein. In die bewitterte Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks kommen lose, dauerhaft wasserabweisende Einblasdämmstoffe nach DIN 4108-10, keine festen Platten. Mineraldämmplatten gehören auf die Innenseite der Wand oder in ein Verbundsystem.

Helfen Mineraldämmplatten gegen Schimmel?

Sie können dazu beitragen. Durch die kapillaraktive Feuchteverteilung und den hohen pH-Wert wirkt das Material schimmelhemmend, weshalb es bei Schimmelsanierungen eingesetzt wird. Ob das im Einzelfall die Ursache löst, klärt die Prüfung vor Ort.

Quellen

Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Ob eine Innendämmung im konkreten Fall geeignet ist und welcher Dämmstoff passt, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.