Kennwerte im Überblick
| Wärmeleitfähigkeit (Lambda), Plattenmitte | ca. 0,007 W/(m·K) (Nennwert, WLS 007) |
|---|---|
| Bemessungswert mit Rand-/Systemeinfluss | je nach Anwendung ca. 0,020 bis 0,024 W/(m·K) nach DIN 4108-4 |
| Wärmeleitstufe (WLS) | 007 (Plattenmitte) |
| Brandverhalten | produktabhängig: Kern aus Kieselsäure bis A2-s1,d0 nach DIN EN 13501-1; mit Folienhülle je nach Produkt B1 (schwerentflammbar) oder B2 nach DIN 4102 |
| Rohdichte | ca. 180 bis 210 kg/m³ (Kern aus pyrogener Kieselsäure) |
| Dampfdiffusionswiderstand (Mu) | praktisch dampfdicht durch die metallisierte Hülle (sehr hoher Mu-Wert) |
| Lieferform | werkseitig maßgefertigte, nicht zuschneidbare Platten; Standardmaße z. B. 1.200 x 600 mm, Dicken ab ca. 20 mm |
| Kernmaterial | evakuierte, mikroporöse pyrogene Kieselsäure (Silica), eingeschweißt in metallisierte Folie |
| Zulassung | Europäische Technische Bewertung (ETA) auf Basis EAD 040011-00-1201 bzw. allgemeine bauaufsichtliche Zulassung |
| Kostenniveau | deutlich oberhalb klassischer Dämmstoffe, oberstes Preissegment (projektabhängig) |
Was Vakuumdämmplatten sind
Vakuumdämmplatten, kurz VIP für Vakuum-Isolations-Paneel, bestehen aus einem druckfesten, mikroporösen Kern aus pyrogener Kieselsäure. Dieser Kern wird in eine gasdichte, metallisierte Folie eingeschweißt und anschließend evakuiert. Das fehlende Gas im Inneren unterbindet einen großen Teil der Wärmeleitung, weshalb VIP die niedrigsten Wärmeleitfähigkeiten aller gängigen Dämmstoffe erreichen.
Der Preis dafür ist eine empfindliche Bauweise. Die Platten werden werkseitig auf Maß gefertigt und dürfen auf der Baustelle nicht zugeschnitten, gebohrt oder durchstoßen werden. Wird die Hülle beschädigt, strömt Luft ein, das Vakuum geht verloren und die Dämmwirkung sinkt deutlich ab.
Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten
In der Plattenmitte liegt die Wärmeleitfähigkeit bei etwa 0,007 W/(m·K) und damit rund fünf- bis sechsmal niedriger als bei klassischen Dämmstoffen. Für die Bemessung im Bauteil ist dieser Mittenwert allerdings nicht direkt verwendbar: An den Plattenrändern und Stößen entstehen Wärmebrücken, weshalb nach DIN 4108-4 je nach Anwendung mit höheren Rechenwerten von etwa 0,020 bis 0,024 W/(m·K) gearbeitet wird.
Die metallisierte Hülle ist praktisch dampfdicht. Eindringende Feuchte ist nicht erwünscht, da sie das Vakuum und damit die Dämmwirkung gefährdet. VIP sind deshalb kein diffusionsoffenes Material und müssen so eingebaut werden, dass die Hülle dauerhaft unverletzt und vor mechanischer Beschädigung geschützt bleibt.
Das Brandverhalten hängt vom Aufbau ab. Der Kern aus Kieselsäure ist nicht brennbar und einzelne Plattentypen erreichen nach DIN EN 13501-1 die Klasse A2-s1,d0. Produkte mit kunststoffhaltiger Folienhülle werden dagegen nach DIN 4102 nur als schwerentflammbar (B1) oder normal entflammbar (B2) eingestuft. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.
Typische Einsatzbereiche
Vakuumdämmplatten kommen dort zum Einsatz, wo nur wenig Aufbauhöhe zur Verfügung steht und trotzdem ein hoher Dämmwert gefordert ist. Typische Sonderfälle sind Terrassen und Balkone mit knapper Anschlusshöhe an Türen, schlanke Fußbodenaufbauten, Loggien sowie die Innendämmung von Fensterlaibungen, wo eine dicke Dämmschicht das Fenster verbauen würde.
Für die Kerndämmung der zweischaligen Außenwand sind VIP grundsätzlich nicht geeignet und nicht vorgesehen. Die druckempfindliche Hülle ließe sich in einer Hohlschicht weder schadensfrei einbringen noch dauerhaft schützen, und ein Zuschnitt vor Ort ist ausgeschlossen. Für die bewitterte Hohlschicht kommen nur dauerhaft wasserabweisende, hierfür zugelassene Schütt- und Einblasdämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage, etwa hydrophobierte Blähperlite, EPS-Granulat oder Silikatleichtschaum-Granulat. Ob ein VIP-Sonderaufbau an anderer Stelle überhaupt wirtschaftlich ist, gehört vor die Entscheidung, nicht danach.
Verarbeitung und Grenzen
Die Stärke der VIP, der extrem niedrige Mittenwert, ist zugleich ihre Schwäche: Sie verzeiht keine Beschädigung. Planung und Verlegung müssen jede Platte millimetergenau berücksichtigen, weil nichts mehr angepasst werden kann. Für unregelmäßige Flächen werden VIP daher meist mit einer druckfesten Ausgleichsdämmung kombiniert, die die Randbereiche und Anpassstücke übernimmt.
Wegen des hohen Preises, der aufwendigen Verarbeitung und der Beschädigungsanfälligkeit bleiben Vakuumdämmplatten ein Nischenprodukt für klar begrenzte Sonderfälle. Wo genug Aufbauhöhe vorhanden ist, sind robustere und günstigere Dämmstoffe in aller Regel die sinnvollere Wahl.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- niedrigste Wärmeleitfähigkeit der gängigen Dämmstoffe (ca. 0,007 W/(m·K) in Plattenmitte)
- sehr schlanke Aufbauhöhe bei hohem Dämmwert
- ideal bei knapper Anschlusshöhe (Terrasse, Balkon, Laibung)
- Kern aus nicht brennbarer Kieselsäure
Grenzen
- druckempfindlich, nicht zuschneidbar, nicht durchbohrbar; bei Beschädigung der Hülle Verlust der Dämmwirkung
- deutlich höherer Preis als klassische Dämmstoffe
- millimetergenaue Werkplanung erforderlich, kein Anpassen vor Ort
- nicht für die Kerndämmung der zweischaligen Außenwand geeignet
Häufige Fragen
Warum dämmen Vakuumdämmplatten so viel besser?
Im evakuierten Kern fehlt das Gas, das in normalen Dämmstoffen einen Großteil der Wärme leitet. Dadurch erreichen VIP in der Plattenmitte etwa 0,007 W/(m·K) und damit rund fünf- bis sechsmal weniger als klassische Dämmstoffe.
Kann man Vakuumdämmplatten auf der Baustelle zuschneiden?
Nein. Beim Zuschneiden, Bohren oder Durchstoßen würde die Hülle verletzt, das Vakuum ginge verloren und die Platte verlöre ihre Dämmwirkung. VIP werden werkseitig auf Maß gefertigt und auf der Baustelle nur unverändert eingebaut.
Eignen sich Vakuumdämmplatten für die Kerndämmung der Außenwand?
Nein. VIP sind druckempfindlich, nicht zuschneidbar und für die bewitterte Hohlschicht weder geeignet noch vorgesehen. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende, zugelassene Schütt- und Einblasdämmstoffe nach DIN 4108-10 zum Einsatz, etwa hydrophobierte Blähperlite, EPS-Granulat oder Silikatleichtschaum-Granulat. VIP bleiben Sonderfällen mit knapper Aufbauhöhe vorbehalten.
Wofür werden Vakuumdämmplatten typischerweise eingesetzt?
Vor allem dort, wo wenig Platz ist und trotzdem ein hoher Dämmwert gefordert ist: schlanke Terrassen- und Balkonaufbauten, niedrige Fußbodenaufbauten, Loggien und die Innendämmung von Fensterlaibungen.
Quellen
- BauNetz Wissen, Vakuumisolationspaneele (Aufbau, Kennwerte, Anwendung)
- Bauder, Produktdatenblatt BauderVIP TE-SP (Lambda, Brandverhalten A2-s1,d0, Rohdichte, Kern Kieselsäure)
- puren VIP Vakuumdämmung, WLS 007, B1/B2 (Hersteller-Produktinformation)
- EOTA, EAD 040011-00-1201, Vacuum Insulation Panels (VIP), Grundlage der ETA
Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.