Kennwerte im Überblick

Wärmeleitfähigkeit (Lambda) 0,042 bis 0,043 W/(m·K)
Wärmeleitstufe (WLS) 042 bis 043
Brandverhalten Klasse E nach DIN EN 13501-1 (normal entflammbar); ohne zusätzliche Brandschutzmittel durch natürlichen Silikatgehalt
Rohdichte (eingebaut) ca. 85 bis 105 kg/m³, je nach Bauteil
Dampfdiffusionswiderstand (Mu) 1 bis 2 (sehr diffusionsoffen)
Wärmespeicherkapazität ca. 2.100 J/(kg·K), hoch, gut für den sommerlichen Hitzeschutz
Lieferform lose Fasern zum maschinellen Einblasen
Rohstoff aufbereitetes Weizenstroh, ohne chemische Zusätze
Zulassung Europäische Technische Bewertung (ETA-17/0559), DIN EN 13501-1
Kostenniveau mittlerer Bereich der Einblasdämmstoffe, etwa auf Zellulose-Niveau (projektabhängig)

Was Stroh-Einblasdämmung ist

Stroh-Einblasdämmstoff besteht aus speziell geschnittenem und gereinigtem Weizenstroh, das nicht zu Ballen gepresst, sondern als lose Faser verarbeitet wird. Das Material wird mit marktüblichen Einblasmaschinen in Hohlräume eingeblasen und legt sich dabei fugenlos um alle Begrenzungen und Einbauten.

Im Gegensatz zu anderen nachwachsenden Einblasstoffen kommt aufbereitetes Stroh ohne chemische Brandschutzmittel aus: Der Rohstoff enthält von Natur aus Silikate, die seine Entflammbarkeit verringern. Das macht Stroh für eine besonders naturnahe Dämmung geschützter Bauteile im Neubau und in der Sanierung interessant.

Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten

Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,042 bis 0,043 W/(m·K) leicht über der von Zellulose, aber noch im üblichen Bereich nachwachsender Einblasdämmstoffe. Für die Dämmwirkung sind neben dem Material vor allem die erreichte Schichtdicke und eine gleichmäßige, setzungssichere Einblasdichte entscheidend.

Stroh ist stark diffusionsoffen (Mu-Wert 1 bis 2) und kann durch seine hohe Feuchteaufnahmekapazität Feuchte zwischenspeichern und wieder abgeben. In bauphysikalisch geeigneten, geschützten Aufbauten ist das ein Vorteil. In dauerhaft feuchten, erdberührten oder bewitterten Bereichen ist das Material dagegen nicht geeignet.

Der Grundstoff Stroh ist brennbar. Durch den natürlichen Silikatgehalt und die hohe Einbaudichte wird Stroh nach DIN EN 13501-1 als normal entflammbar (Klasse E) eingestuft, ohne dass zusätzliche Brandschutzsalze nötig sind. Loses, lockeres Stroh entzündet sich dagegen leicht. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.

Typische Einsatzbereiche

Stroh-Einblasdämmung wird in geschützten, nicht bewitterten Bauteilen eingesetzt: in Dachschrägen zwischen den Sparren, in Holzbalkendecken und auf der obersten Geschossdecke. In all diesen Fällen liegt ein abgeschlossener oder begrenzbarer Hohlraum ohne direkte Schlagregenbelastung vor.

Für die Kerndämmung der bewitterten zweischaligen Außenwand ist Stroh dagegen nicht geeignet und dort auch nicht bauaufsichtlich zugelassen, weil es Feuchte aufnimmt. In der Hohlschicht kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage. Ob Stroh oder ein anderer Einblasdämmstoff sinnvoller ist, hängt vom Bauteil, von der Feuchtesituation und vom Brandschutz ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Ökologie und Entsorgung

Stroh ist ein landwirtschaftliches Nebenprodukt, das in der Aufbereitung nur wenig Primärenergie benötigt und während des Wachstums CO2 bindet. Ohne chemische Zusätze schneidet das Material in der ökologischen Gesamtbewertung unter den gängigen Dämmstoffen sehr gut ab.

Eingebautes, unbehandeltes Stroh lässt sich je nach Zustand und örtlicher Regelung kompostieren oder thermisch verwerten. Die konkreten Wege richten sich nach den Vorgaben des Entsorgers.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • fugenlose, hohlraumfüllende Dämmung ohne Plattenstöße
  • ohne chemische Brandschutzmittel, durch natürlichen Silikatgehalt
  • stark diffusionsoffen, hohe Feuchteaufnahmekapazität
  • hohe Wärmespeicherkapazität, gut gegen sommerliche Hitze
  • landwirtschaftliches Nebenprodukt, ökologisch günstig

Grenzen

  • nur maschineller Einbau durch Fachbetrieb sinnvoll
  • setzungsempfindlich bei zu geringer Einblasdichte
  • nicht für dauerhaft feuchte, erdberührte oder bewitterte Bereiche (keine Kerndämmung)
  • Wärmeleitfähigkeit etwas höher als bei Zellulose, größere Schichtdicke nötig

Häufige Fragen

Ist Stroh als Dämmung brennbar?

Der Grundstoff Stroh ist brennbar. Durch den natürlichen Silikatgehalt und die hohe Einbaudichte wird aufbereitetes Stroh nach DIN EN 13501-1 als normal entflammbar (Klasse E) eingestuft, und das ohne zusätzliche Brandschutzmittel. Loses, lockeres Stroh entzündet sich dagegen leicht. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.

Setzt sich Stroh mit der Zeit?

Bei fachgerechtem Einbau mit korrekt eingestellter Einblasdichte wird eine spätere Setzung vermieden. Genau deshalb wird das Material maschinell und kontrolliert eingebracht, nicht von Hand geschüttet.

Eignet sich Stroh für die Kerndämmung der Außenwand?

Nein. In der bewitterten Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks ist Stroh nicht zugelassen, weil es Feuchte aufnimmt. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 zum Einsatz. Stroh bleibt geschützten Innenbauteilen wie Decken und Dachschrägen vorbehalten.

Verträgt Stroh Feuchte?

Stroh ist diffusionsoffen und kann durch seine hohe Feuchteaufnahmekapazität Feuchte zwischenspeichern und wieder abgeben. Für dauerhaft nasse, erdberührte oder bewitterte Bauteile ist es aber nicht geeignet.

Quellen

Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.