Kennwerte im Überblick

Wärmeleitfähigkeit (Lambda) 0,035 bis 0,040 W/(m·K), einzelne Produkte bis 0,033 W/(m·K)
Wärmeleitstufe (WLS) 035 bis 040, je nach Produkt
Brandverhalten B2 nach DIN 4102 (normal entflammbar); nach DIN EN 13501-1 meist E, je nach Produkt bis D-s2,d0
Rohdichte ca. 18 bis 30 kg/m³, je nach Produkt
Dampfdiffusionswiderstand (Mu) 1 bis 2 (sehr diffusionsoffen)
Wärmespeicherkapazität ca. 1.300 bis 1.760 J/(kg·K)
Lieferform Matten, Klemmfilze und Vliese, daneben Stopfwolle
Rohstoff Schafschurwolle, mit Mottenschutz ausgerüstet
Zulassung CE-Kennzeichnung über produktbezogene ETA (z. B. ETA-07/0214), teils natureplus-Zertifikat
Kostenniveau oberer Bereich der Naturdämmstoffe (projektabhängig)

Was Schafwolle-Dämmung ist

Schafwolle-Dämmstoff besteht aus Schafschurwolle, die gereinigt, kardiert und zu Matten, Filzen oder Vliesen verarbeitet wird. Daneben gibt es lose Stopfwolle für das Ausstopfen schwer erreichbarer Fugen und Anschlüsse.

Weil die Wollfaser von Natur aus elastisch ist, klemmen sich die Matten zwischen tragenden Hölzern oder Ständern und liegen ohne zusätzliche Befestigung fest an. Das macht Schafwolle für Holzkonstruktionen interessant, in denen ein begrenzbarer, geschützter Hohlraum gedämmt werden soll.

Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten

Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,035 bis 0,040 W/(m·K) im Bereich der gängigen Naturdämmstoffe, einzelne Produkte erreichen bis 0,033 W/(m·K). Für die Dämmwirkung ist neben dem Material vor allem die erreichte Schichtdicke und ein fugendichter Einbau entscheidend.

Schafwolle ist stark diffusionsoffen (Mu-Wert 1 bis 2) und kann erhebliche Mengen Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben. Die Dämmwirkung wird dabei erst bei einem Wasseranteil von mehr als etwa 16 Gewichtsprozent spürbar verringert. In geschützten, nicht bewitterten Aufbauten ist dieses Feuchteverhalten ein Vorteil. In dauerhaft feuchten, erdberührten oder bewitterten Bereichen ist das Material dagegen nicht geeignet.

Die Naturfaser ist brennbar. Schafwolle wird nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft und entzündet sich erst bei rund 560 bis 600 Grad Celsius. Nach DIN EN 13501-1 erreichen die Produkte meist die Klasse E, einzelne bis D-s2,d0. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung. Als tierische Naturfaser benötigt Schafwolle zudem eine Ausrüstung gegen Mottenfraß, klassisch mit Borsalz, daneben über biozidarme oder biozidfreie Verfahren.

Typische Einsatzbereiche

Schafwolle wird vor allem in geschützten, nicht bewitterten Bauteilen eingesetzt: als Zwischensparrendämmung im Dach, im Ständerwerk von Innenwänden und Trennwänden sowie in Holzbalkendecken. In all diesen Fällen liegt ein begrenzbarer Hohlraum ohne direkte Schlagregenbelastung vor, in dem die Klemmwirkung der Matten ihren Vorteil ausspielt.

Für die Kerndämmung der bewitterten zweischaligen Außenwand ist Schafwolle dagegen nicht geeignet und dort auch nicht bauaufsichtlich zugelassen, weil sie als hydrophile Naturfaser Feuchte aufnimmt. In der Hohlschicht kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage. Auch für die erdberührte Perimeterdämmung scheidet Schafwolle aus. Welcher Dämmstoff im konkreten Bauteil sinnvoller ist, hängt von der Konstruktion, von der Feuchtesituation und vom Brandschutz ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Ökologie und Entsorgung

Schafwolle ist ein nachwachsender tierischer Rohstoff mit geringem Primärenergiebedarf in der Aufbereitung. In der ökologischen Gesamtbewertung schneiden Wollprodukte unter den Dämmstoffen gut ab, einige tragen das natureplus-Umweltzeichen.

Die Entsorgung richtet sich nach der eingesetzten Mottenschutz-Ausrüstung und dem Zustand des Materials. Die konkreten Wege geben der Hersteller und der örtliche Entsorger vor.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • kann viel Feuchte aufnehmen und wieder abgeben, ohne die Dämmwirkung sofort zu verlieren
  • stark diffusionsoffen, gutes Raumklima in geschützten Aufbauten
  • elastische Faser, klemmt sich fugendicht zwischen Hölzer und Ständer
  • nachwachsender tierischer Rohstoff, teils natureplus-zertifiziert

Grenzen

  • vergleichsweise hoher Preis im Vergleich zu anderen Naturdämmstoffen
  • braucht zwingend einen Schutz gegen Mottenfraß
  • nicht für dauerhaft feuchte, erdberührte oder bewitterte Bereiche (keine Kerndämmung)
  • Naturfaser brennbar, Brandverhalten produktabhängig

Häufige Fragen

Wird Schafwolle von Motten befallen?

Schafwolle ist eine tierische Naturfaser und braucht deshalb zwingend einen Schutz gegen Mottenfraß. Dieser wird klassisch mit Borsalz oder über biozidarme bzw. biozidfreie Verfahren aufgebracht. Maßgeblich ist die jeweilige Produktausrüstung.

Verträgt Schafwolle Feuchte?

Schafwolle ist diffusionsoffen und kann viel Wasserdampf aufnehmen und wieder abgeben. Die Dämmwirkung lässt erst bei einem Wasseranteil von mehr als etwa 16 Gewichtsprozent spürbar nach. Für dauerhaft nasse, erdberührte oder bewitterte Bauteile ist sie trotzdem nicht geeignet.

Ist Schafwolle brennbar?

Die Naturfaser ist brennbar. Nach DIN 4102 wird Schafwolle als normal entflammbar (B2) eingestuft, nach DIN EN 13501-1 erreichen die Produkte meist die Klasse E, einzelne bis D-s2,d0. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.

Eignet sich Schafwolle für die Kerndämmung der Außenwand?

Nein. In der bewitterten Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks ist Schafwolle nicht zugelassen, weil sie als hydrophile Naturfaser Feuchte aufnimmt. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 zum Einsatz. Schafwolle bleibt geschützten Innenbauteilen wie Dachschrägen, Ständerwänden und Decken vorbehalten.

Quellen

Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.