Kennwerte im Überblick
| Wärmeleitfähigkeit (Lambda) | 0,022 bis 0,028 W/(m·K), je nach Deckschicht und Treibmittel |
|---|---|
| Wärmeleitstufe (WLS) | Plattenware meist 023 bis 028, gängig 024; Spitzenprodukte bis 022 |
| Brandverhalten | PUR meist normal entflammbar (B2 nach DIN 4102, Euroklasse E nach DIN EN 13501-1); PIR-Produkte erreichen schwer entflammbar (B1 bzw. Klasse C) |
| Rohdichte | ca. 30 kg/m³ im Standard, anwendungsabhängig bis 300 kg/m³ |
| Dampfdiffusionswiderstand (Mu) | 40 bis 200 (diffusionshemmend bis dampfbremsend) |
| Druckfestigkeit (10 % Stauchung) | PUR ca. 100 bis 150 kPa, PIR ca. 150 bis 400 kPa (nach EN 826) |
| Wasseraufnahme | ca. 1 bis 2,5 Vol.-% nach 28 Tagen, geschlossenzellig und dauerhaft wasserabweisend |
| Lieferform | feste Platten, meist mit Stufenfalz oder Nut und Feder, mit Alu- oder Mineralvlies-Kaschierung |
| Rohstoff | Erdölbasis, aufgeschäumt mit Pentan oder CO₂ (heute überwiegend halogenfrei) |
| Zulassung / Norm | DIN EN 13165 (PU-Hartschaum); Anwendungsgebiete nach DIN 4108-10 |
| Kostenniveau | oberer Bereich der gängigen Plattendämmstoffe (projektabhängig) |
Was Polyurethanplatten sind
Polyurethan-Hartschaum entsteht durch das Aufschäumen zweier flüssiger Komponenten zu einem festen, geschlossenzelligen Schaum. Daraus werden Dämmplatten gefertigt, die werkseitig meist mit einer Deckschicht aus Aluminiumfolie oder Mineralvlies kaschiert sind. Seit der Zusammenfassung in der Norm DIN EN 13165 werden die beiden Varianten PUR (Polyurethan) und PIR (Polyisocyanurat) unter der Sammelbezeichnung PU geführt.
PIR ist eine Weiterentwicklung mit höherem Isocyanat-Anteil. Es ist temperaturbeständiger und brandtechnisch günstiger als reines PUR, ansonsten arbeiten beide Schäume bauphysikalisch sehr ähnlich. Beide gehören zu den Plattendämmstoffen und werden nicht eingeblasen, sondern als feste Platte verlegt.
Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten
PUR/PIR hat die niedrigste Wärmeleitfähigkeit der gängigen Dämmstoffe. Die Bemessungswerte liegen je nach Deckschicht und Treibmittel etwa zwischen 0,022 und 0,028 W/(m·K), gängig ist die Wärmeleitstufe 024. Das bedeutet: Für eine geforderte Dämmwirkung genügt eine deutlich dünnere Schicht als bei Mineralwolle oder Holzfaser. Genau das ist der Hauptvorteil, wo wenig Platz zur Verfügung steht.
Der Schaum ist geschlossenzellig und nimmt nur wenig Wasser auf (etwa 1 bis 2,5 Vol.-% nach 28 Tagen Wasserlagerung). Damit gilt PUR/PIR als dauerhaft wasserabweisend und druckfest (Druckspannung bei 10 % Stauchung rund 100 bis 150 kPa bei PUR, höher bei PIR). Der Dampfdiffusionswiderstand ist mit Mu 40 bis 200 vergleichsweise hoch, das Material wirkt also diffusionshemmend bis dampfbremsend und nicht diffusionsoffen.
Der Grundstoff ist brennbar. Reines PUR wird in der Regel als normal entflammbar eingestuft (B2 nach DIN 4102, Euroklasse E nach DIN EN 13501-1). PIR-Produkte erreichen durch ihren Aufbau bessere Klassen bis hin zu schwer entflammbar (B1 bzw. Klasse C). Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.
Typische Einsatzbereiche
PUR/PIR-Platten werden überall dort eingesetzt, wo eine schlanke, hochdämmende und belastbare Schicht gebraucht wird: auf dem Steildach (Aufsparrendämmung), im Flachdach, unter dem Estrich, als Perimeter- und Kellerdeckendämmung sowie im Wärmedämmverbundsystem (WDVS) und in der Innendämmung. Die dünne Aufbauhöhe ist hier oft das entscheidende Argument.
Ein Sonderfall ist das zweischalige Mauerwerk. Weil der geschlossenzellige Schaum dauerhaft wasserabweisend ist, darf eine ausdrücklich nach DIN 4108-10 (Anwendungstyp WZ) geprüfte PUR/PIR-Platte beim Neubau in die noch offene Hohlschicht eingestellt werden. Die nachträgliche Kerndämmung einer bestehenden, geschlossenen Hohlschicht ist damit aber nicht gemeint: Dort lässt sich keine Platte mehr einbringen, dafür kommen ausschließlich wasserabweisende Einblas- oder Gießdämmstoffe infrage, etwa mineralische Granulate oder PU-Gießschaum. Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob neu gemauert wird oder ein Bestand vorliegt, und gehört vor das Angebot, nicht danach.
Ökologie und Entsorgung
PUR/PIR ist ein erdölbasierter Dämmstoff. Der Energieaufwand in der Herstellung ist höher als bei recycelten oder nachwachsenden Materialien, der ökologische Fußabdruck entsprechend ungünstiger. Aufgeschäumt wird heute überwiegend mit halogenfreien Treibmitteln wie Pentan oder CO₂, ältere FCKW-Treibmittel sind seit Langem vom Markt.
Sortenreine Verschnitte und Rückbauplatten lassen sich teils stofflich verwerten, in der Praxis überwiegt jedoch die thermische Verwertung. Kaschierungen und Verklebungen erschweren das Recycling. Die konkreten Entsorgungswege richten sich nach Zustand und örtlicher Regelung.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- niedrigste Wärmeleitfähigkeit der gängigen Dämmstoffe, sehr schlanke Aufbauten
- geschlossenzellig, dauerhaft wasserabweisend und druckfest
- vielseitig: Steildach und Flachdach, Boden, Perimeter, WDVS und Innendämmung
- formstabil, maßhaltig und temperaturbeständig (PIR)
- lange bewährter, normativ klar geregelter Plattendämmstoff (DIN EN 13165)
Grenzen
- erdölbasiert, ökologisch ungünstiger als nachwachsende oder recycelte Stoffe
- diffusionshemmend, nicht diffusionsoffen (Aufbau muss dazu passen)
- Grundstoff brennbar, Brandverhalten produktabhängig (PUR meist E, PIR besser)
- höheres Kostenniveau als Standard-Plattendämmstoffe
- kein nennenswerter sommerlicher Hitzeschutz durch Speichermasse
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PUR und PIR?
Beide sind Polyurethan-Hartschaum nach DIN EN 13165. PIR hat einen höheren Isocyanat-Anteil, ist temperaturbeständiger und brandtechnisch günstiger (oft schwer entflammbar), während reines PUR meist als normal entflammbar eingestuft wird. Bauphysikalisch verhalten sie sich sonst sehr ähnlich.
Warum braucht PUR/PIR so dünne Dämmdicken?
Weil die Wärmeleitfähigkeit mit etwa 0,022 bis 0,028 W/(m·K) die niedrigste der gängigen Dämmstoffe ist. Für denselben Wärmeschutz genügt deshalb eine deutlich dünnere Schicht als bei Mineralwolle oder Holzfaser. Das ist der Hauptgrund, PUR/PIR bei beengten Aufbauten zu wählen.
Eignet sich PUR/PIR für die Kerndämmung der Außenwand?
PUR/PIR wird vor allem als Platte für Aufsparrendämmung, WDVS, Perimeter- und Innendämmung eingesetzt. Für die nachträgliche Kerndämmung einer geschlossenen Hohlschicht werden dagegen Einblasdämmstoffe oder PU-Gießschaum verwendet, keine Platten. Nur beim Mauern eines neuen zweischaligen Mauerwerks kann eine nach DIN 4108-10 (Anwendungstyp WZ) geprüfte Platte in die offene Hohlschicht eingestellt werden.
Ist PUR/PIR brennbar?
Der Grundstoff ist brennbar. Reines PUR wird meist als normal entflammbar eingestuft (B2 nach DIN 4102, Euroklasse E), PIR-Produkte erreichen häufig bessere Klassen bis schwer entflammbar. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.
Quellen
- BauNetz Wissen, Polyurethan-Hartschaum (PUR)
- BauNetz Wissen, Polyisocyanurat-Hartschaum (PIR)
- WECOBIS, Ökologisches Baustoffinformationssystem, Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)
- IVPU Industrieverband Polyurethan-Hartschaum, Planungshilfe Wanddämmung (daemmt-besser.de)
Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.