Kennwerte im Überblick
| Wärmeleitfähigkeit (Lambda) | Nennwert λD 0,039 W/(m·K), Bemessungswert λB 0,046 W/(m·K) |
|---|---|
| Wärmeleitstufe (WLS) | 039 (Bemessungswert λB 046) |
| Brandverhalten | B2 nach DIN 4102-1 (normal entflammbar), mit geringer Rauchentwicklung (s1) |
| Rohdichte (eingebaut) | ca. 65 bis 75 kg/m³ Liefer- und Einbaudichte |
| Dampfdiffusionswiderstand (Mu) | 1 bis 2 nach DIN 4108-35 (sehr diffusionsoffen) |
| Wärmespeicherkapazität | bis zu ca. 2.599 J/(kg·K), hoch, gut für den sommerlichen Hitzeschutz |
| Lieferform | lose Fasern zum maschinellen Einblasen sowie zum Schütten und Stopfen |
| Rohstoff | angeschwemmte Seegrasbälle (Neptunbälle) der Mittelmeerpflanze Posidonia oceanica, ohne chemische Brandschutzzusätze |
| Zulassung | allgemeine bauaufsichtliche Zulassung bzw. allgemeine Bauartgenehmigung des DIBt, Z-23.11-1836 |
| Kostenniveau | oberer Bereich der nachwachsenden Einblasdämmstoffe (projektabhängig) |
Was Neptunball-Dämmung ist
Neptunbälle sind faserige Kugeln, die das Meer aus abgestorbenen Resten der Mittelmeerpflanze Posidonia oceanica formt und an die Strände spült. Aus diesem angeschwemmten Material wird durch Reinigen und Zerfasern ein loser Dämmstoff gewonnen.
Das Material wird nicht als Platte verlegt, sondern maschinell als lose Faser in Hohlräume eingeblasen, geschüttet oder gestopft. Weil sich die Fasern dabei an die Begrenzungen und um Einbauten legen, entsteht eine fugenlose Dämmschicht. Das macht Seegras für die Sanierung geschützter Hohlräume im Bestand interessant.
Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten
Der Nennwert der Wärmeleitfähigkeit liegt bei etwa 0,039 W/(m·K), der für die Bemessung anzusetzende Wert bei 0,046 W/(m·K). Damit dämmt Seegras etwas schwächer als die gängigen Faser-Einblasdämmstoffe. Durch die vergleichsweise hohe Einbaudichte von rund 65 bis 75 kg/m³ und die hohe Wärmespeicherfähigkeit punktet das Material aber beim sommerlichen Hitzeschutz und beim Schallschutz.
Seegras ist stark diffusionsoffen (Mu-Wert 1 bis 2) und kann Feuchte aufnehmen und wieder abgeben. In bauphysikalisch geeigneten, geschützten Aufbauten ist das ein Vorteil. In dauerhaft feuchten, erdberührten oder bewitterten Bereichen ist das Material dagegen nicht geeignet.
Durch den natürlichen Salz- und Silikatgehalt der Pflanze ist Seegras nach DIN 4102-1 ohne chemische Zusätze als normal entflammbar (B2) eingestuft und entwickelt im Brandfall nur geringen Rauch. Das Material gilt zudem als schimmel- und schädlingsresistent. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.
Typische Einsatzbereiche
Seegras wird vor allem in geschützten, nicht bewitterten Bauteilen eingesetzt: in Holzbalkendecken, in Dachschrägen zwischen den Sparren und auf der obersten Geschossdecke. In all diesen Fällen liegt ein abgeschlossener oder begrenzbarer Hohlraum ohne direkte Schlagregenbelastung vor.
Für die Kerndämmung der bewitterten zweischaligen Außenwand ist Seegras dagegen nicht geeignet und dort auch nicht bauaufsichtlich zugelassen, weil es als nachwachsender, feuchteempfindlicher Stoff Wasser aufnimmt. In der Hohlschicht kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage. Ob Seegras oder ein anderer Einblasdämmstoff sinnvoller ist, hängt vom Bauteil, von der Feuchtesituation und vom Brandschutz ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.
Ökologie und Entsorgung
Seegras ist ein reines Naturprodukt, das ohne chemische Zusätze auskommt und nur angeschwemmtes, ohnehin am Strand anfallendes Material verwertet. Der Aufwand liegt vor allem in Reinigung, Aufbereitung und Transport aus dem Mittelmeerraum.
Eingebautes Seegras kann nach dem Rückbau je nach Zustand und örtlicher Regelung als Naturmaterial entsorgt werden. Die konkreten Wege richten sich nach den Vorgaben des Entsorgers.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- fugenlose, hohlraumfüllende Dämmung ohne Plattenstöße
- ohne chemische Brandschutzzusätze normal entflammbar (B2) durch natürlichen Salzgehalt
- stark diffusionsoffen, kann Feuchte puffern
- hohe Rohdichte und Wärmespeicherkapazität, gut gegen sommerliche Hitze und für Schallschutz
- schimmel- und schädlingsresistent, reines Naturprodukt
Grenzen
- höherer Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit, daher größere Dämmdicke nötig
- nur maschineller Einbau durch Fachbetrieb sinnvoll
- nicht für dauerhaft feuchte, erdberührte oder bewitterte Bereiche (keine Kerndämmung)
- vergleichsweise hohes Kostenniveau und Transport aus dem Mittelmeerraum
Häufige Fragen
Ist Seegras brennbar?
Durch den natürlichen Salz- und Silikatgehalt ist Seegras nach DIN 4102-1 ohne chemische Zusätze als normal entflammbar (B2) eingestuft und entwickelt im Brandfall nur geringen Rauch. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.
Wie gut dämmt Seegras im Vergleich?
Der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit liegt bei etwa 0,046 W/(m·K) und damit über dem gängiger Faser-Einblasdämmstoffe. Für die gleiche Dämmwirkung braucht es daher etwas mehr Dicke. Dafür ist die Wärmespeicherfähigkeit hoch, was dem sommerlichen Hitzeschutz zugutekommt.
Eignet sich Seegras für die Kerndämmung der Außenwand?
Nein. In der bewitterten Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks ist Seegras nicht zugelassen, weil es als nachwachsender Stoff Feuchte aufnimmt. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 zum Einsatz. Seegras bleibt geschützten Innenbauteilen wie Decken und Dachschrägen vorbehalten.
Verträgt Seegras Feuchte?
Seegras ist diffusionsoffen und kann Feuchte aufnehmen und wieder abgeben. Für dauerhaft nasse, erdberührte oder bewitterte Bauteile ist es aber nicht geeignet.
Quellen
- NeptuTherm, Produktdatenblatt (allg. bauaufsichtliche Zulassung / Bauartgenehmigung DIBt Z-23.11-1836)
- Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-23.11-1836 (Seegras-Dämmstoff)
- BauNetz Wissen, Seegras
- oekologisch-bauen.info, Seegras , Dämmstoff aus dem Meer
Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.