Kennwerte im Überblick

Wärmeleitfähigkeit (Lambda) Nennwert 0,038 W/(m·K); Bemessungswert für Deutschland 0,039 W/(m·K)
Wärmeleitstufe (WLS) 038 bis 039
Brandverhalten B2 nach DIN 4102 (normal entflammbar); Klasse E nach DIN EN 13501-1
Rohdichte ca. 34 bis 40 kg/m³ (EN 1602)
Dampfdiffusionswiderstand (Mu) 1 bis 2 (sehr diffusionsoffen)
Wärmespeicherkapazität ca. 2.350 J/(kg·K), hoch, gut für den sommerlichen Hitzeschutz
Lieferform flexible, nicht druckbelastbare Matten oder Rollen (Klemmfilz)
Rohstoff recycelte Jutefasern aus gebrauchten Transportsäcken, mit polymerer Stützfaser, Soda als Brandschutz
Zulassung Europäische Technische Bewertung ETA-14/0479 (DIBt)
Kostenniveau mittlerer bis oberer Bereich der Naturfaser-Mattendämmstoffe (projektabhängig)

Was Jutematten sind

Jutematten sind flexible, nicht druckbelastbare Dämmmatten aus Jutefasern. Der Rohstoff stammt überwiegend aus gebrauchten Transportsäcken, in denen Lebensmittel wie Kakao oder Kaffee geliefert wurden. Die Fasern werden zurückgewonnen, mit einer polymeren Stützfaser im Thermobonding-Verfahren zur Matte verbunden und mit Soda als Brandschutz ausgerüstet.

Als Klemmfilz fügt sich die Matte zwischen Sparren, Balken und Ständer ein und füllt das Gefach fugenfrei aus. Damit ist Jute ein typischer Dämmstoff für den Holzrahmenbau und für geschützte Innenbauteile, nicht für bewitterte oder erdberührte Bereiche.

Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten

Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit einem Nennwert von 0,038 W/(m·K) im guten Bereich der Naturfaserdämmstoffe; der Bemessungswert für Deutschland beträgt 0,039 W/(m·K). Für die Dämmwirkung sind neben dem Material vor allem die Schichtdicke und ein fugenfreier, klemmender Einbau entscheidend.

Jute ist stark diffusionsoffen (Mu-Wert 1 bis 2) und kann durch ihre hohe Sorptionsfähigkeit Feuchte ausgleichen, zwischenspeichern und wieder abgeben. In bauphysikalisch geeigneten, geschützten Aufbauten ist das ein Vorteil. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass das Material während Transport, Lagerung und Einbau sowie im eingebauten Zustand vor Niederschlag, Bewitterung und Feuchtigkeit zu schützen ist. In dauerhaft feuchten, erdberührten oder bewitterten Bereichen ist Jute nicht geeignet.

Der Grundstoff Naturfaser ist brennbar. Durch die Soda-Ausrüstung wird Jute nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft, nach DIN EN 13501-1 entspricht das der Klasse E. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.

Typische Einsatzbereiche

Jutematten werden in geschützten, nicht bewitterten Bauteilen eingesetzt: als Zwischensparrendämmung im Dach, in Holzbalkendecken, im Innenwand- und Trennwand-Ständerwerk sowie als Dämmung auf nicht begehbaren, aber zugänglichen obersten Geschossdecken. In all diesen Fällen liegt das Material trocken und vor Schlagregen geschützt im Gefach.

Für die Kerndämmung der bewitterten zweischaligen Außenwand ist Jute dagegen nicht geeignet und dort auch nicht bauaufsichtlich zugelassen, weil sie Feuchte aufnimmt und nicht dauerhaft wasserabweisend ist. In der Hohlschicht kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage. Ob Jute oder ein anderer Mattendämmstoff sinnvoller ist, hängt vom Bauteil, von der Feuchtesituation und vom Brandschutz ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Ökologie und Entsorgung

Jute ist ein nachwachsender Rohstoff, und die Matten sind ein Upcyclingprodukt: gebrauchte Transportsäcke erhalten einen zweiten Lebenszyklus, statt verbrannt zu werden. In der ökologischen Gesamtbewertung schneidet das Material unter den gängigen Dämmstoffen gut ab.

Eingebaute, salzbehandelte Jutematten werden je nach Zustand und örtlicher Regelung entsorgt. Die konkreten Wege richten sich nach den Vorgaben des Entsorgers.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • flexibler Klemmfilz, füllt das Gefach fugenfrei aus
  • stark diffusionsoffen und feuchteausgleichend durch hohe Sorptionsfähigkeit
  • hohe Wärmespeicherkapazität, gut gegen sommerliche Hitze
  • ökologisch günstig, Upcyclingprodukt aus gebrauchten Transportsäcken
  • einfache Bearbeitung, kein Nahrungsmittel für Nager und Insekten

Grenzen

  • nicht druckbelastbar, nur für geschützte Holzbau- und Innenbauteile
  • feuchteempfindlich, muss trocken bleiben (vor Bewitterung schützen)
  • nicht für dauerhaft feuchte, erdberührte oder bewitterte Bereiche (keine Kerndämmung)
  • Grundstoff brennbar, Brandverhalten produktabhängig (B2 / Klasse E)

Häufige Fragen

Woraus bestehen Jutematten?

Aus zurückgewonnenen Jutefasern, überwiegend aus gebrauchten Transportsäcken für Lebensmittel. Hinzu kommen eine polymere Stützfaser und Soda als Brandschutz. Es ist ein Upcyclingprodukt aus einem nachwachsenden Rohstoff.

Ist Jute brennbar?

Der Grundstoff Naturfaser ist brennbar. Durch die Soda-Ausrüstung wird Jute nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft, nach DIN EN 13501-1 entspricht das der Klasse E. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.

Eignen sich Jutematten für die Kerndämmung der Außenwand?

Nein. In der bewitterten Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks ist Jute nicht zugelassen, weil sie Feuchte aufnimmt und nicht dauerhaft wasserabweisend ist. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 zum Einsatz. Jute bleibt geschützten Holzbau- und Innenbauteilen wie Dachschrägen, Decken und Ständerwerk vorbehalten.

Verträgt Jute Feuchte?

Jute ist diffusionsoffen und gleicht Feuchte gut aus. Sie muss aber trocken eingebaut werden und im Bauteil vor Niederschlag und Bewitterung geschützt sein. Für dauerhaft nasse, erdberührte oder bewitterte Bauteile ist sie nicht geeignet.

Quellen

Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.