Kennwerte im Überblick

Wärmeleitfähigkeit (Lambda) Nennwert 0,038 bis 0,040 W/(m·K); Bemessungswert in Deutschland produktabhängig bis 0,043 W/(m·K)
Wärmeleitstufe (WLS) 040, je nach anzusetzendem Bemessungswert bis 045
Brandverhalten B2 nach DIN 4102 (normal entflammbar); Klasse E nach DIN EN 13501-1
Rohdichte ca. 30 bis 42 kg/m³, je nach Produkt (z.B. Combi-Matte ca. 37 kg/m³)
Dampfdiffusionswiderstand (Mu) 1 bis 2 (sehr diffusionsoffen)
Wärmespeicherkapazität ca. 2.300 J/(kg·K), hoch, gut für den sommerlichen Hitzeschutz
Lieferform flexible, nicht druckbelastbare Matten- und Rollenware (Klemmfilz)
Rohstoff Hanf- und/oder Jutefasern, meist mit polymerer Stützfaser (PET oder PLA) und Soda als Brandschutz
Zulassung ETA bzw. allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, CE nach DIN EN 13171
Kostenniveau mittlerer Bereich, in der Regel über konventioneller Mineralwolle (projektabhängig)

Was Hanf- und Jutefasermatten sind

Hanf- und Jutefasermatten sind flexible Dämmmatten aus nachwachsenden Naturfasern. Hanf wird als Nutzpflanze angebaut, Jutefasern stammen häufig aus dem Recycling gebrauchter Transportsäcke. Damit die losen Fasern eine stabile Matte ergeben, wird in der Regel eine geringe Menge polymerer Stützfaser (PET oder PLA) zugesetzt, dazu Soda als Brandschutz.

Viele am Markt verfügbare Produkte sind Faserkombinationen aus Hanf und Jute. Die Matten sind nicht druckbelastbar und werden klemmend in Gefache eingebaut, also in den Raum zwischen tragenden Hölzern. Sie ersetzen damit im geschützten Innenbauteil eine Mineralfaser-Klemmmatte, nicht aber einen wasserabweisenden Dämmstoff im bewitterten Bereich.

Wärmeschutz, Feuchte und Brandverhalten

Die Wärmeleitfähigkeit liegt mit etwa 0,038 bis 0,040 W/(m·K) im üblichen Bereich flexibler Dämmmatten. In Deutschland ist je nach Produkt ein höherer Bemessungswert anzusetzen, teils bis 0,043 W/(m·K), weshalb für die Berechnung immer die Werte aus der jeweiligen Zulassung gelten. Entscheidend für die Dämmwirkung ist neben dem Material die eingebaute Dicke und ein fugenarmer, klemmender Einbau.

Hanf- und Jutefasern sind stark diffusionsoffen (Mu-Wert 1 bis 2) und können Feuchte aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben. In geschützten, bauphysikalisch geeigneten Aufbauten ist das ein Vorteil für das Raumklima. Die Kehrseite: Die Fasern sind hydrophil und feuchteempfindlich. In dauerhaft feuchten, erdberührten oder bewitterten Bereichen sind sie nicht geeignet und dort auch nicht zugelassen.

Der Grundstoff ist pflanzlich und damit brennbar. Durch die Soda-Ausrüstung werden die Matten nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft, nach DIN EN 13501-1 entspricht das der Klasse E. Maßgeblich ist immer die jeweilige Produktzulassung.

Typische Einsatzbereiche

Hanf- und Jutefasermatten werden in geschützten, nicht bewitterten Bauteilen eingesetzt: als Zwischensparrendämmung im Steildach, in Holzbalkendecken und als Hohlraumdämmung in Innenwänden und Ständerwerken sowie in Holzrahmenkonstruktionen. In all diesen Fällen liegt ein begrenzbares Gefach ohne direkte Schlagregenbelastung vor, das nach dem Einbau raumseitig mit einer Dampfbremse geschlossen wird.

Für die nachträgliche Kerndämmung der bewitterten zweischaligen Außenwand sind Hanf- und Jutefasermatten nicht geeignet und dort auch nicht bauaufsichtlich zugelassen, weil sie Feuchte aufnehmen. Zum einen sind es keine losen Einblasdämmstoffe für die geschlossene Hohlschicht, zum anderen verlangt die Hohlschicht nach DIN 4108-10 dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe. Ob eine Naturfasermatte oder ein anderer Dämmstoff sinnvoller ist, hängt vom Bauteil, von der Feuchtesituation und vom Brandschutz ab. Diese Einordnung gehört vor das Angebot, nicht danach.

Ökologie und Entsorgung

Hanf wächst schnell und braucht in der Regel wenig Pflanzenschutz, Jutefasern stammen oft aus dem zweiten Lebenszyklus gebrauchter Säcke. Der Primärenergiebedarf in der Herstellung ist gering, weshalb Naturfasermatten in der ökologischen Gesamtbewertung gut abschneiden.

Bei der Entsorgung ist der Anteil an polymerer Stützfaser zu beachten, der eine sortenreine Trennung erschwert. Die konkreten Wege richten sich nach dem Zustand des Materials und den Vorgaben des Entsorgers.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • diffusionsoffen, kann Feuchte puffern und ausgleichen
  • hohe Wärmespeicherkapazität, gut gegen sommerliche Hitze
  • nachwachsende bzw. recycelte Rohstoffe, ökologisch günstig
  • flexible Klemmmatte, fugenarmer Einbau ins Gefach
  • angenehm und hautverträglich in der Verarbeitung

Grenzen

  • hydrophil und feuchteempfindlich, nur in geschützten Bauteilen
  • nicht für dauerhaft feuchte, erdberührte oder bewitterte Bereiche (keine Kerndämmung)
  • Grundstoff brennbar, Brandverhalten nur B2 bzw. Klasse E
  • in der Regel teurer als konventionelle Mineralwolle
  • polymerer Stützfaseranteil erschwert die sortenreine Entsorgung

Häufige Fragen

Eignen sich Hanf- und Jutematten für die Kerndämmung der Außenwand?

Nein. In der bewitterten Hohlschicht eines zweischaligen Mauerwerks sind Naturfasermatten nicht zugelassen, weil sie Feuchte aufnehmen, und sie sind als Matte ohnehin kein Einblasdämmstoff für die geschlossene Hohlschicht. Dort kommen nur dauerhaft wasserabweisende Dämmstoffe nach DIN 4108-10 infrage. Hanf und Jute bleiben geschützten Gefachen wie Dach, Decke und Innenwand vorbehalten.

Sind Hanf- und Jutematten brennbar?

Der pflanzliche Grundstoff ist brennbar. Durch die Soda-Ausrüstung werden die Matten nach DIN 4102 als normal entflammbar (B2) eingestuft, das entspricht Klasse E nach DIN EN 13501-1. Maßgeblich ist die jeweilige Produktzulassung.

Vertragen Hanf- und Jutematten Feuchte?

Die Fasern sind diffusionsoffen und können Feuchte zwischenspeichern und wieder abgeben, das ist im geschützten Aufbau ein Vorteil. Die Fasern sind aber hydrophil und feuchteempfindlich, für dauerhaft nasse, erdberührte oder bewitterte Bauteile sind sie nicht geeignet.

Worin unterscheiden sich Hanf- und Jutefaser?

Hanf ist eine angebaute Nutzpflanze, Jutefasern stammen häufig aus dem Recycling gebrauchter Säcke. Viele Matten kombinieren beide Fasern. Bei Wärmeleitfähigkeit, Feuchteverhalten und Brandklasse liegen sie nah beieinander, der wesentliche Unterschied ist die Rohstoffherkunft.

Quellen

Allgemeine Materialkunde, Stand Juni 2026, ohne Gewähr. Dieser Beitrag ersetzt keine Energieberatung und keine Planung. Welcher Dämmstoff im konkreten Fall geeignet ist, entscheidet die Prüfung des Bauteils vor Ort.